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Jahresempfang

Auf ihrem Jahresempfang hat die Gemeinde Winkelhaid auch in diesem Jahr wieder besonders engagierte Mitbürger geehrt.

"Das Internet nimmt dich nicht in den Arm"

Fußball-Theater, Gruppentreffen, Kampf gegen Armut: Auf dem Jahresempfang hat die Gemeinde Winkelhaid verdiente Mitbürger geehrt

 

WINKELHAID – Auf ihrem Jahresempfang hat die Gemeinde Winkelhaid auch in diesem Jahr wieder besonders engagierte Mitbürger geehrt. Zahlreiche Gäste, unter ihnen Landrat Armin Kroder, feierten die Geehrten und die Geschichten ihres Engagements, die Bürgermeister Michael Schmidt mit Stolz vortrug.

Was gibt es nicht alles an Ratgeberseiten und Diskussionsforen in den Weiten des Internets. Aber, um mit Jutta Sappelt zu sprechen, die auch Schmidt an diesem Abend zitiert: „Das Internet nimmt dich nicht in den Arm“. Das Internet, um mal bei dieser Denkfigur eines personifizierten, digitalen Netzes zu bleiben, fährt nicht einmal im Monat mit dir in ein Heilbad, um dein Osteoporoseleiden zu lindern. Das Internet repariert nicht dein Auto, es spielt kein Fußball-Theater, fährt nicht durch halb Deutschland, um dir einen Gabelstapler zu besorgen. Das machen besondere Menschen, die wegen dieses Engagements im Mittelpunkt des Winkelhaider Jahresempfangs stehen.

Nicht virtuell, sondern in Person trägt Marianne Degenhardt, Leiterin der Osteoporose-Selbsthilfegruppe Winkelhaid, die Anliegen ihrer Mitbürger beim Bürgermeister vor, etwa den Wunsch nach einer neuen Sitzgelegenheit. „Zu diesem Fall, liebe Frau Degenhardt, darf ich Ihnen sagen, dass wir im Haushaltsentwurf die Mittel für eine Bank am Schulhaus Penzenhofen aufgenommen haben,“ überbringt Schmidt die frohe Botschaft. Die Anekdote steht sinnbildlich für eine Eigenschaft Degenhardts: Diese Frau hat die Fähigkeit, etwas zu bewegen. Vor über 20 Jahren hat sie die Selbsthilfegruppe gegründet und organisiert seitdem monatliche Bäderfahrten. Die Mitglieder wissen was sie an Degenhardt haben. Auch deswegen haben sie die Goldene Ehrenamtskarte für ihre Leiterin beantragt.

Seit über 15 Jahren engagiert sich eine weitere Dame in Winkelhaid. Oft ist das mit den Übergangslösungen ja so eine Sache: Sie dauern an. Manchmal ist das ärgerlich, ein Glück aber, möchte man sagen, im Fall von Jutta Sappelt: Nach einer eigenen überstandenen Krebserkrankung kümmert sich Sappelt seit 2001 in beispielhafter Weise um die Belange krebskranker Menschen, eine Tätigkeit, die sie kommissarisch habe übernehmen wollen. Einmal im Monat organisiert sie Gruppentreffen, die einen Rahmen bieten für Gespräche, Austausch und Fachinformation. Der Freistaat Bayern hat sie dafür mit dem „Weißen Engel“ geehrt, einer hohen Auszeichnung für Verdienste im Bereich Gesundheit und Krankenpflege. Die Ehrennadel glänzt an ihrer roten Strickweste, als sie zum Rathauschef geht, um Dank und Präsent entgegen zu nehmen.

Ein Vorbild für andere

Den erhalten auch zwei Männer, deren Engagement nicht in die Kategorie Gesundheit und Pflege fällt, die sich aber dennoch darum bemühen, ihren Mitbürgern das Beste zu bieten, nämlich einen meisterlichen Service. „Fachkräfte werden immer wichtiger“, sagt Schmidt. Der Meisterbrief stehe für Werte, die ohne ihn schwer unter Beweis zu stellen wären: Fachkompetenz, technisches Knowhow, Führungswissen und soziale Kompetenz. Stefan Krebs und Kai Schweikert, die die Prüfung zum Meister als Kraftfahrzeugtechniker absolviert haben, seien auch Vorbilder für andere, die sich mit dem Gedanken tragen, sich weiter zu bilden.

Ein Vorbild für andere ist auch Gerhard Hampl. Gerhard Hampl? Der wohnt doch in Feucht. Richtig. Er ist nicht umgezogen. Aber die Nürnberger Land Tafel, deren Leitung er 2001 übernommen hat, hat eine ihrer zehn Ausgabestellen in Winkelhaid und so bittet Schmidt Hampl nach vorne, um ihm „als Mitgliedsgemeinde Ihrer großartigen Tätigkeit unseren Dank auszusprechen“. 270 ehrenamtliche Helfer nehmen Woche für Woche den Kampf gegen Armut und Verschwendung auf. In seinem Amt als Ländervertreter unterstütze Hampl die Tafel auch im Bundesverband. „Viele der inzwischen über 900 Tafeln in Deutschland sind der vorbildlichen Arbeit in Feucht gefolgt“, sagt Schmidt.

Eine besondere Gabe

Wie der Name Hampl mit der Tafel, so sind die Namen Bernhard Frohna und Gerd Schmidt mit dem Fußball-Theater des TSV Winkelhaid verknüpft. Frohna, der heuer sein 40-jähriges Bühnenjubiläum feiert, sei ein Vollblut-Schauspieler wie kein anderer und hoffentlich noch lange ein Erfolgsgarant für den TSV. Schmidt, TSV-Schauspieler seit 30 Jahren, habe unter anderem in Rollen als engagierter Bürgermeister brilliert und sich damit als Urlaubsvertretung für die Gemeinde empfohlen. Der Rathauschef ehrte die beiden für ihren Einsatz und ihre Gabe, Menschen zu unterhalten, ohne Gage, und dadurch finanzielle Mittel für die Jugendarbeit des Vereins zu generieren.

Zuletzt ehrte der Bürgermeister zwei Menschen, die der Gemeinde auf sehr spezielle Art helfen. Seit zehn Jahren übernimmt Bernd Graulich, das Amt des Weihnachtsmannes am Winkelhaider Christkindlesmarkt mit einer Freude, die sich auch auf sein Publikum überträgt. Christian Schmidt verdankt die Gemeinde ihren neuen Gabelstapler, der sich viel Zeit nahm, um ein preiswertes, gebrauchtes Modell zu finden und auch einen Tag Urlaub, um dieses zu besichtigen.

Bürgermeister wie Landrat nutzten den Jahresempfang schließlich auch, um das Ehrenamt der politisch Engagierten, im Gemeinderat und in Parteien, zu loben. Umrahmt wurde der Abend von den gefühlvollen Gesangseinlagen von Julia Reif.

 

            Julia Hornung